Kylian Mbappé, Cristiano Ronaldo, Kim Kardashian und Travis Scott in einem Film mit mehr Chaos als Handlung: Mit „Rip the Script“ startet Nike kurz vor der WM einen sechsminütigen Fußballfilm, der kaum etwas erklärt – und genau deshalb hängen bleibt.
Kylian Mbappé und Cristiano Ronaldo sprinten durch ein Hollywood-Studio, dazu Jamal Musiala, Alphonso Davies, Virgil van Dijk, Erling Haaland, Vinícius Júnior & Co. Auch Legenden wie Ronaldinho, Éric Cantona, Zlatan Ibrahimović, Didier Drogba und Jorge Campos tauchen auf. Dazu kommen mit Travis Scott, Kim Kardashian, LeBron James, Channing Tatum, Central Cee oder Ted Lasso Stars abseits des Fußballs. „Rip the Script“ ist vollgepackt, hektisch, fast übertrieben. Das ist kein Versehen, sondern genau die Idee.
Kurz vor der WM hätte Nike auf Nummer sicher gehen können. Große Namen, schnelle Schnitte, ein klares Drehbuch, fertig. Das hätte funktioniert – doch der Effekt wäre womöglich schnell wieder verpufft.
„Rip the Script“ macht es stattdessen anders: Sechs Minuten, Schnitt auf Schnitt, ständig ein neuer Star, vieles absichtlich überdreht. Eine echte Handlung gibt es kaum. Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein Regisseur will seinen Film nach Plan drehen. Die Spieler machen nicht mit. Das Set kippt ins Chaos. Der passende Satz fällt früh: „Nobody ever dreams of doing what they’re told.“ (Niemand träumt davon, das zu tun, was man ihm sagt.)
Hinter dem Film steht Wieden+Kennedy – die Agentur, die für Nike schon „Write the Future“ zur WM 2010 und „Dream Crazy“ mit Football-Star Colin Kaepernick umgesetzt hat. Regie führte Dan Streit, bekannt für Musikvideos für Joji und A$AP Rocky.
Nike zeigt, wo Fußball wirklich wirkt
Sechs Minuten sind viel für Werbung. Nike hält trotzdem das Tempo hoch. Fast jede Einstellung bringt ein neues Gesicht, eine Anspielung, ein Produkt oder einen kleinen Gag. Mal wirkt der Film wie ein Musikvideo, mal wie ein Game-Trailer, mal wie ein Clip aus dem Feed. Auch wenn nicht jede Szene am Ball hängt: Fußball bleibt der Kern.
Die Besetzung zeigt, wie breit Nike den Film anlegt: mit Fußballern, alten Nike-Gesichtern und Stars außerhalb des Sports. Daraus entsteht kein klassischer Fußballfilm, sondern eher eine schnelle Sammlung aus Stars, Bildern und Erinnerungen. Der Titel passt dazu. Die guten Momente entstehen selten nach Plan. Diese Idee erzählt Nike seit Jahrzehnten. Diesmal als überdrehten Hollywoodfilm.
„Rip the Script“ als Teil von Nikes WM-Kampagne
„Rip the Script“ kommt kurz vor dem WM-Start und ist Teil einer großen Kampagne. Der Film ist Teil eines großen Nike-Pakets für den Turniersommer: neue Kollektionen rund um die Nationalteams mit Labels – unter anderem Palace für England, Jacquemus für Frankreich, Patta für die Niederlande –, neue Topmodelle bei den Fußballschuhen, eine Zusammenarbeit mit LEGO, über 5.000 Verkaufsorte weltweit. In New York, Los Angeles und Dallas baut Nike eigene Kampagnenorte auf.
Leise ist daran nichts. Aber leise war Nike im Fußball selten. Die besten Kampagnen der Marke haben den Sport immer größer wirken lassen. Genau das versucht auch „Rip the Script“. Der Film packt manchmal zu viel in eine Szene. Trotzdem wirken die Gastauftritte nicht zufällig. Jeder Name hat seinen Platz in dieser überdrehten Nike-Welt.
Und genau deshalb bleibt der Film hängen. Er bleibt hängen, weil er nicht glatt sein will und lieber zu viel zeigt als zu wenig. Und weil er an viele große Nike-Fußballspots erinnert: Der beste Fußball hält sich nicht ans Drehbuch.

























































