Bringt Nike eine Kollabo mit Jorge Campos an den Start?

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Der mexikanische Torwart trug in den Neunzigern die mutmaßlich buntesten Trikots der Fußballgeschichte – selbst entworfen. Jetzt steht er für Nikes WM-Kampagne wieder im Rampenlicht.

Es gibt eine einfache Methode, ein Spiel der mexikanischen Nationalmannschaft auf die Neunziger zu datieren: Man schaut ins Tor. Steht da ein kleiner Mann in einem Trikot, das aussieht, als wäre eine Farbbombe explodiert, ist es Jorge Campos. Neongelb, Pink, Türkis, dazu Zickzack und Rauten, die einem auch ohne Gegentor schwindelig machen. Drei Jahrzehnte später hat Nike ihn wieder hervorgeholt, für die große WM-Kampagne 2026.

Im Werbefilm „Rip the Script“ steht Campos neben Ronaldinho, grinst in die Kamera und trägt einen Look, der jeden, der damals schon dabei war, sofort zurück in die Neunziger schickt. Für alle anderen lohnt der Rückblick – gerade hierzulande, wo Campos, der nie in Europa spielte, weniger bekannt ist.

Geboren wird Campos 1966 in Acapulco, wo das Meer rauscht und alles farbenfroh wirkt. Das Meer und die Farben nimmt er mit aufs Feld. Seine Torwarttrikots entwirft er selbst, inspiriert von der Surfkultur seiner Heimat, von aztekischen und Maya-Mustern und von Rautenmustern, wie sie Tennisspieler jener Zeit trugen. Die Entwürfe setzt der jeweilige Ausrüster um, bei der WM 1994 Umbro, das Mexiko damals ausstattete und Campos seine grellen Designs durchgehen ließ. Die knalligen Farben haben auch einen taktischen Zweck: Mit gerade einmal 1,68 Metern will Campos im Kasten größer wirken, und ein Trikot in Signalfarben macht optisch einiges her. Für die Mannschaftsfotos stellte er sich sogar auf einen Ball, um neben den Kollegen nicht unterzugehen.

Wie Jorge Campos das Torwarttrikot zum Kultobjekt machte

Bei der WM 1994 in den USA ließ man ihn machen, und das Ergebnis gilt bis heute als eines der schönsten Torwarttrikots, die je auf einem Rasen standen. Vier Jahre später in Frankreich war Schluss damit: Der neue Ausrüster ABA Sport und der mexikanische Verband untersagten die bunten Eigenentwürfe. Campos stand fortan in einem schlichten Torwarttrikot von ABA Sport im Tor. Sein Ruf als bestangezogener Mann im Strafraum war da längst gefestigt.

Campos war ohnehin ein Torwart, der sich nicht an die Stellenbeschreibung hielt. In seiner ersten Saison bei Pumas UNAM bat er darum, vorne mitspielen zu dürfen, und schoss prompt 14 Tore. Mal hütete er das Tor, mal stürmte er – mal mit der 1, mal mit der 9. 1994 wurde er zum drittbesten Torhüter der Welt gewählt. Und nebenbei war er der erste Mexikaner überhaupt, den Nike unter Vertrag nahm. 1996 stand er für den Kultspot „Good vs. Evil“ neben Cantona, Maldini und Ronaldo vor der Kamera.

Dass der Mann ein Gespür hatte, bestätigt die Gegenwart: Labels wie Palace oder Billionaire Boys Club haben das Torwarttrikot zum Streetwear-Stück gemacht, im FIFA-Museum hängt eines der Originale. Was damals als Geschmacksverirrung galt, ist heute Inspiration.

Was Nike mit „Campos x Jorge“ plant

Den vorläufigen Höhepunkt liefert ausgerechnet Nike. Zur WM 2026, die erstmals seit 1986 wieder in Mexiko gastiert, deutet sich eine eigene Kollektion an: „Campos x Jorge“. Offiziell bestätigt hat Nike sie bislang nicht. Die Entwürfe kursieren über ein Video, das Campos laut House of Heat selbst teilte, und sein Auftritt im Werbespot „Rip the Script“ gilt als weiteres Indiz. Dort trägt Campos ein kurzärmliges Torwarttrikot.

Das auf seinem eigenen Social-Media-Account gezeigte Logo folgt indes dem Vorbild des Jordan-Jumpman und zeigt Campos im Sprung beim Wegfausten eines Balls. Durch die Entwürfe ziehen sich Surfbretter, Palmen und seine Rückennummern 1 und 9. Einen Verkaufsstart gibt es noch nicht. Sollte die Kollektion bald bestätigt werden, bekäme der kreativste Torwart, den dieser Sport gesehen hat, mit 59 seine eigene Marke.

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Adrian Kühnel
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