Die Geschichte des teuersten Fußballtrikots der Welt

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Argentinien gegen England ist auch das Duell von 1986: Maradona, die „Hand Gottes“ und ein Trikot, das kurz vor dem Spiel in Mexiko-Stadt aufgetrieben wurde und heute Rekordhalter ist.

Wenn Argentinien und England bei dieser WM im Halbfinale aufeinandertreffen, schwingt ein Spiel immer mit: das Viertelfinale von 1986 in Mexiko, in dem Diego Maradona binnen vier Minuten erst per „Hand Gottes“ traf und dann das „Tor des Jahrhunderts“ erzielte. Das Trikot, das er dabei trug, wurde 2022 zum teuersten Fußballtrikot der Welt. Seine Geschichte beginnt lange vor Sotheby's, mit einem Ausstatter-Problem in der mexikanischen Hitze.

Maradonas Trikot 1986: Eine Improvisation in letzter Minute

Argentinien war schon im Achtelfinale gegen Uruguay in den dunkelblauen Auswärtstrikots aufgelaufen und in der Hitze regelrecht darin geschwommen: Die Baumwollhemden sogen den Schweiß auf und wurden in der Mittagssonne richtig schwer, ganz anders als die luftigeren Heimtrikots. Die Spieler beschwerten sich, es mussten neue Trikots her.

Kurz vor dem Viertelfinale gegen England, das durch den Falklandkrieg zusätzliche Brisanz hatte, schickte Trainer Carlos Bilardo deshalb mehrere Mitarbeiter los, die Mexiko-Stadt nach möglichst leichten dunkelblauen Trikotsätzen des Ausrüsters Le Coq Sportif absuchten. Ein paar Exemplare standen am Ende zur Auswahl, und ausgerechnet Maradona zeigte auf jenes, das es wurde: „Darin schlagen wir die Engländer.“

Ganz fertig waren die neuen Trikots damit noch nicht, denn Wappen und Rückennummern fehlten. Die Nummern wurden in einem American-Football-Shop besorgt und glitzerten silbern statt des üblichen Weiß, die Wappen wurden erst am Tag vor dem Spiel angenäht. In diesen maximal improvisierten Hemden bestritt die Albiceleste eines der berühmtesten Spiele der WM-Geschichte. Nie wieder lief Argentinien danach in ihnen auf.

Versteigerung 2022: Maradonas Trikot wird zum teuersten Fußballtrikot der Welt

Nach dem Abpfiff tauschte Maradona sein Trikot mit dem Engländer Steve Hodge. Weil die Wappen minimal unterschiedlich saßen, ließ sich später sogar rekonstruieren, welches Hemd Maradona in der torlosen ersten und welches er in der historischen zweiten Halbzeit trug. Das Auktionshaus Sotheby's ließ das gutachterlich prüfen: Demnach besitzt Maradonas Familie das Trikot der ersten Halbzeit, Hodge hatte das der zweiten.

Hodge stellte sein Exemplar 20 Jahre lang im National Football Museum in Manchester aus, ehe er es 2022 versteigern ließ. Sieben Bieter stiegen ein, das Startgebot lag bei fünf Millionen Dollar, am Ende zahlte ein anonymer Bieter umgerechnet rund 8,5 Millionen Euro. Ganz unumstritten war die Auktion nicht: Maradonas Tochter bezweifelte vorab, dass es sich um das Trikot der zweiten Halbzeit handelte. Sotheby's blieb bei seiner gutachterlich gestützten Einschätzung.

Bis heute ist es das teuerste Fußballtrikot der Welt. Das teuerste Trikot überhaupt ist es seit 2024 nicht mehr: Ein Baseball-Jersey, das Babe Ruth 1932 in der World Series getragen hatte, wechselte für umgerechnet rund 21,5 Millionen Euro den Besitzer. Im Fußball aber bleibt das Maß aller Dinge ein dunkelblaues Hemd aus einem Laden in Mexiko-Stadt.

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Adrian Kühnel
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