Während viele europäische Fußballklubs auf einheitliche Mannschaftskleidung setzen, erscheinen die Profis des FC Liverpool in unterschiedlichen Outfits von Tommy Hilfiger. Ein Konzept, das an die NBA erinnert – und die Frage aufwirft, ob solche Auftritte auch im europäischen Fußball zur festen Spieltagskultur werden könnten.
Virgil van Dijk trägt Sonnenbrille, obwohl es längst Abend ist. Dazu eine schwarze Lederjacke, darunter ein aufgeknöpftes weißes Hemd und ein weißes Unterhemd. Florian Wirtz erscheint im blau-rot gestreiften Rugby-Shirt unter einer dunkelblauen Jacke. Es ist der Abend des Champions-League-Spiels gegen Villarreal, und die Profis des FC Liverpool sehen auf dem Weg ins Stadion aus, als hätten sie ganz unterschiedliche Verabredungen.


Dabei hat sie alle derselbe Modepartner eingekleidet. Seit Januar 2026 stattet Tommy Hilfiger die Männer- und Frauenmannschaft des FC Liverpool an ausgewählten Spieltagen aus. Seither sind die Profis mehrfach in unterschiedlichen Looks der amerikanischen Marke zum Stadion gekommen. Gegen Villarreal haben sie nun Teile der Herbstkollektion 2026 an.
Teamanzug statt Tunnel Fit: Warum Europas Fußballklubs oft einheitlich auftreten
Ob Trainingsanzug, Poloshirt oder formelle Kleidung: Bei vielen europäischen Fußballklubs gehört ein einheitlicher Mannschaftsauftritt zum Spieltag. Für besondere Anlässe kommen auch Kooperationen mit Modemarken ins Spiel, etwa beim FC Barcelona mit AMIRI, bei Real Madrid mit Louis Vuitton, bei Paris Saint-Germain mit Dior oder beim FC Bayern mit Replay. Doch selbst dann steht in der Regel ein abgestimmter Mannschaftslook im Vordergrund, statt die Spieler durch individuelle Outfits hervorzuheben.
Bevor der FC Liverpool in unterschiedlichen Outfits von Tommy Hilfiger zu den Spielen kam, sorgte bereits der FC Barcelona mit individuellen Looks vor den Partien für Aufmerksamkeit – bis Hansi Flick das nach seinem Amtsantritt im Sommer 2024 angeblich untersagte. Der mutmaßliche Grund: Die Spieler sollten sich wieder stärker auf das Sportliche konzentrieren.
Das Interesse an solchen Auftritten ist dennoch ungebrochen. Gerade wenn die Nationalmannschaften zusammenkommen, werden die Arrival-Fits der Spieler mit Spannung und Neugier verfolgt.
Tunnel Fits: Wie die NBA den Weg zum Spiel zur Bühne machte
Was im europäischen Fußball zunehmend Aufmerksamkeit bekommt, ist in der NBA längst fester Bestandteil der Spieltagskultur: Die Ankünfte der Spieler werden dort öffentlich inszeniert. Stilikonen hatte die Liga schon lange, von Walt Frazier über Dennis Rodman bis Allen Iverson. Als wichtiger Einschnitt gilt aber ausgerechnet eine Kleiderordnung: 2005 schrieb die Liga ihren Spielern Business-Casual vor und verbot unter anderem Ketten über der Kleidung. Mit der Zeit wurde der Dresscode lockerer gehandhabt, während die Spieler ihren persönlichen Stil zunehmend öffentlich zeigten.
Heute werden die Ankünfte fotografiert und als sogenannte „Tunnel Fits“ in den sozialen Medien verbreitet. Sie gehören zu den erfolgreichsten Inhalten auf den Kanälen der Liga, sagte Lisa Piken Koper, bei der NBA für Bekleidung zuständig, der Fachzeitschrift WWD: „Das ist mit den sozialen Medien gewachsen.“
Auch in anderen US-Sportligen spielen die Ankünfte eine Rolle: Die NFL bezeichnet sie als ihren „roten Teppich“, die NHL hat ihren Dresscode zur Saison 2025/26 abgeschafft.
Viele Profis arbeiten dafür mit Stylisten und tragen unterschiedliche Marken. Ihre Kleidung wird unabhängig vom Spielgeschehen wahrgenommen, ein auffälliger Auftritt erzeugt Aufmerksamkeit, lange bevor der Spieler auf dem Spielfeld steht.
Accounts wie das 2018 gegründete League Fits, das inzwischen über eine Million Follower auf Instagram hat, kuratieren die Aufnahmen. Gründer Ian Pierno schätzte gegenüber Highsnobiety, dass 2018 nur etwa 30 der rund 450 NBA-Profis Mode ernst genommen hätten. Inzwischen beschäftigten sich selbst Spieler mit Mode, die sportlich nur eine Nebenrolle einnehmen.
Tommy Hilfiger und Liverpool: Eine Partnerschaft, viele Kombinationen
Was in der NBA längst zum Spieltag gehört, greift der FC Liverpool nun auf seine Weise auf. Für Tommy Hilfiger ist die Zusammenarbeit die erste Partnerschaft mit einem Fußballklub. Schon bei der Bekanntgabe erklärte Liverpool, damit eine andere Seite des Spieltags zeigen und die Persönlichkeiten des Klubs stärker in den Mittelpunkt rücken zu wollen. Bereits einen Tag vor dem Spiel gegen Villarreal teilten beide Partner auf ihren Social-Media-Kanälen Einblicke hinter die Kulissen einer Styling-Session.
Die unterschiedlichen Outfits bieten beiden Partnern zusätzliche Möglichkeiten, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Tommy Hilfiger kann dadurch verschiedene Teile seiner Kollektionen präsentieren, während Liverpool sich mit diesem Ansatz von vielen anderen europäischen Klubs abhebt.
Ob andere Klubs in Europa diesem Beispiel folgen, ist offen. Liverpool und Tommy Hilfiger zeigen zumindest, wie eine solche Spieltagskultur im europäischen Fußball aussehen könnte.




































