KANE Harry Team FC Bayern Muenchen UEFA Championsleague CL Saison 2026 - 2027 Spiel FC Bayern Muenchen - FK Bodo Glimt 5 : 0 am 10.09.2026 in Muenchen DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and or QUASI-VIDEO Copyright: xLacixPerenyixKANE Harry Team FC Bayern Muenchen UEFA Championsleague CL Saison 2026 - 2027 Spiel FC Bayern Muenchen - FK Bodo Glimt 5 : 0 am 10.09.2026 in Muenchen DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and or QUASI-VIDEO Copyright: xLacixPerenyix
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Harry Kane in der NFL: Wie realistisch ist sein Traum?

IMAGO / Laci Perenyi

Harry Kane denkt seit Jahren über eine zweite Karriere als NFL-Kicker nach. Inzwischen spricht der Stürmer des FC Bayern sogar darüber, wie er sich auf einen möglichen Wechsel vorbereiten würde. Andere Fußballer haben diesen ungewöhnlichen Weg bereits vor ihm eingeschlagen.

Wie die Zeit nach dem Fußball aussehen könnte, davon hat Harry Kane bereits eine Vorstellung. Der Stürmer des FC Bayern München interessiert sich für Golf, für realistischer hält er aber einen anderen Plan: Kane will herausfinden, ob sein rechter Fuß auch für die NFL reicht.

Neu ist die Idee nicht. Im September 2026 erklärte der inzwischen 33-Jährige im Trainingslager der englischen Nationalmannschaft aber, dass er sich künftig ernsthafter damit beschäftigen wolle. Wann es so weit sein könnte, lässt Kane offen. Das hänge davon ab, wie seine Karriere in den nächsten fünf, sechs Jahren verlaufe.

Harry Kanes NFL-Traum begann mit Tom Brady

Kanes Verbindung zum American Football reicht zurück in eine Zeit, in der seine eigene Karriere alles andere als vorgezeichnet war. Er wurde von Tottenham verliehen, der Durchbruch bei den Spurs war noch nicht geschafft. In dieser Phase entdeckte er einen Sportler, dessen Geschichte ihm bekannt vorkam: Tom Brady.

Auf YouTube stieß der damals 18-Jährige auf „The Brady 6“. Die Dokumentation erzählt von sechs Quarterbacks, die im NFL Draft 2000 vor Brady ausgewählt wurden. Brady selbst musste bis Position 199 warten – und wurde später zu einem der erfolgreichsten Spieler der NFL-Geschichte.

Kane erkannte darin Parallelen zu seinem eigenen Weg. Auch ihm war die große Karriere nicht in die Wiege gelegt worden. Bradys Geschichte habe ihm damals den Glauben gegeben, dass eine solche Karriere auch für ihn möglich sei, erzählte Kane 2022 in der „Tonight Show“ von Jimmy Fallon.

Aus der Inspiration entwickelte sich eine Begeisterung für die NFL. Kane begann, die New England Patriots zu verfolgen, und nannte einen seiner Hunde Brady. 2019 reiste er während einer Verletzungspause nach Atlanta, sah den Sieg der Patriots im Super Bowl LIII im Stadion und feierte anschließend auf Einladung Bradys mit dem Team.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Kane längst selbst ausprobiert, wie sich ein Football zwischen den Torpfosten anfühlt.

Bereits 2017 hatte er während einer USA-Reise mit Tottenham auf dem Trainingsgelände der New York Giants ein Field Goal aus 50 Yards verwandelt. Trainingsplatz statt NFL-Stadion, kein Spiel, kein gegnerischer Druck. Als Nachweis für die NFL taugte der Versuch kaum. Als Vorgeschmack schon eher.

Kane hält seit Jahren an seinem NFL-Traum fest

2019 sprach Kane erstmals öffentlich so über seinen NFL-Traum, dass wenig Raum für Missverständnisse blieb. Auf die Frage, ob er es mit dem Kicking wirklich ernst meine, antwortete er gegenüber ESPN: „That’s real.“ In zehn oder zwölf Jahren wolle er es versuchen. Schon damals stand auch eine mögliche Zwischenstation in der MLS im Raum, bevor Kane den Schritt in die NFL wagen würde.

2021 sprach Kane mit NFL-Star J.J. Watt darüber, was er sich von einem Wechsel verspricht – und was dafür nötig wäre. Dass ein Wechsel nicht allein mit seiner Erfahrung als Fußballer funktionieren würde, war ihm bewusst. Ein ernsthafter Versuch würde viel Training und Übung verlangen.

Einen möglichen Vorteil sieht Kane im Umgang mit Druck. Ein NFL-Spiel kann mit einem Field Goal in den letzten Sekunden entschieden werden. Den Druck eines entscheidenden Versuchs kennt er als Elfmeterschütze aus dem Fußball, argumentiert Kane.

Im Mai 2023 bekräftigte er bei „Good Morning America“, dass er die Möglichkeit definitiv ausloten wolle. Er erwarte aber nicht, dort einfach aufzutauchen und Field Goals zu verwandeln.

Im September 2026 wurde die Vorstellung konkreter. Sechs Monate bis ein Jahr gezieltes Training hält Kane für notwendig, bevor er einen ernsthaften Versuch unternehmen würde. Auch die MLS griff er wieder auf: Dort ließen sich beide Sportarten womöglich über die Saisons hinweg verbinden.

Ein guter Fußballer ist noch kein NFL-Kicker

So verlockend die Rechnung klingt – präziser Elfmeterschütze plus kräftiger rechter Fuß gleich NFL-Kicker –, so wenig funktioniert sie in der Praxis.

Beim Field Goal müssen Snap, Hold und Anlauf innerhalb kürzester Zeit ineinandergreifen, während auf der anderen Seite bereits Spieler losstürmen, um den Kick zu blocken. Es ist eine Bewegung, die vertraut aussieht und für einen Fußballer trotzdem neu gelernt werden muss.

Clive Allen hat diese Umstellung selbst erlebt. Der ehemalige englische Nationalspieler erzielte 1986/87 für Tottenham 49 Tore in allen Wettbewerben. Zehn Jahre später, mit 35, wechselte er die Sportart und wurde Kicker der London Monarchs in der damaligen World League of American Football.

Dass auch ein Kicker getroffen werden kann, hatte Allen anfangs nicht erwartet. Vor allem aber musste er das Timing einüben: Der Kicker läuft bereits an, bevor der Ball überhaupt gesnappt ist. Seine sechs Field-Goal-Versuche verwandelte Allen alle. Bis in die NFL schaffte er es trotzdem nicht.

Ausgerechnet Allen gehörte später zum Trainerstab von Tottenham und arbeitete dort auch mit dem jungen Kane. Den Wechsel in die NFL traut er ihm zu.

Wie schnell ein solcher Versuch enden kann, erlebte Tony Meola. 1994 hatte er gerade als Torwart der USA die Weltmeisterschaft im eigenen Land gespielt, als ihn die New York Jets als Kicker verpflichteten. Nach einem Probetraining lobte General Manager Dick Steinberg seine Beinkraft und Genauigkeit. Mit mehr Erfahrung und weiterer Arbeit an seiner Technik könne Meola ein solider NFL-Kicker werden.

Im Trainingslager zeigte sich allerdings, wie groß die Umstellung war. Nur einer seiner fünf Kickoffs in der Preseason erreichte die Endzone. Zwar sahen die Jets Fortschritte bei seiner Technik, für einen Platz im Kader reichte es aber nicht. Noch vor dem ersten Spiel der Regular Season trennten sie sich wieder von Meola.

„Wembley-Toni“ schafft es vom Fußball in die NFL

Dass ein Fußballprofi auch den letzten Schritt schaffen kann, hatte da längst ein Österreicher bewiesen.

Toni Fritsch war Stürmer von Rapid Wien und österreichischer Nationalspieler. 1965 erzielte er beim 3:2 gegen England in Wembley zwei Tore. Fortan kannte man ihn als „Wembley-Toni“.

Sechs Jahre später nahm seine Karriere eine Wendung, die selbst heute ungewöhnlich klingt.

Die Dallas Cowboys suchten in Europa nach Fußballern, die sie zu Kickern ausbilden konnten. Der österreichische Nationaltrainer Leopold Šťastný empfahl Fritsch. Vertreter der Cowboys reisten nach Wien, ließen ihn einen Football treten – und nahmen ihn unter Vertrag.

Fritsch hatte zuvor noch nie American Football gespielt und sprach bei seiner Ankunft in den USA kaum Englisch. Wenig später stand er in der NFL.

Bereits in seiner ersten Saison gehörte Fritsch zum Kader der Cowboys, der im Januar 1972 den Super Bowl VI gewann. Nach seinem Debüt in der Regular Season setzte ihn eine Oberschenkelverletzung für den Rest der Saison außer Gefecht, einen Super-Bowl-Ring erhielt er trotzdem.

Danach etablierte er sich als Kicker und spielte später für die San Diego Chargers, die Houston Oilers und die New Orleans Saints. Elf Jahre, vier Teams, 125 NFL-Spiele.

Brandon Aubrey brauchte Jahre für den Wechsel

Mehr als ein halbes Jahrhundert später führt eine andere Geschichte wieder zu den Dallas Cowboys.

Brandon Aubrey spielte vier Jahre College-Fußball für Notre Dame und wurde 2017 im MLS SuperDraft von Toronto FC ausgewählt. Die große Fußballkarriere blieb aus. Bereits 2018 war Schluss, Aubrey arbeitete anschließend als Softwareentwickler.

Seine zweite Sportkarriere begann auf der Couch.

2019 schaute Aubrey mit seiner Frau ein NFL-Spiel, als sie meinte, dass er das ebenfalls könne. Aubrey probierte es aus – und suchte sich einen Kicking-Coach.

Was als beiläufige Bemerkung begann, wurde zu drei Jahren Training: dreimal pro Woche mit Coach Brian Egan. 2022 bekam Aubrey bei den Birmingham Stallions in der USFL seine erste Chance als Profi. Ein Jahr später verpflichteten ihn die Dallas Cowboys.

Im April 2026 verlängerte Dallas seinen Vertrag um vier Jahre und 28 Millionen Dollar. Mit durchschnittlich sieben Millionen Dollar pro Jahr wurde Aubrey damit zum bestbezahlten Kicker der NFL-Geschichte.

Aubrey brauchte drei Jahre Training bis zu seiner ersten Chance als Profi. Kane rechnet für seine Vorbereitung mit sechs Monaten bis zu einem Jahr. Wie weit ihn das bringen würde, kann auch die Geschichte nicht beantworten.

Vorerst hat für ihn ohnehin der Fußball Vorrang. Sollte er danach tatsächlich versuchen, aus Elfmetern Field Goals zu machen, wäre das eine außergewöhnliche zweite Karriere.

Eine beispiellose wäre es nicht.

Über den Autor
Adrian Kühnel
Gründer und Herausgeber
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