Collage historischer Fotos des AC Mailand in adidas-Trikots: Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard, Kaká mit dem Champions-League-Pokal, Andriy Shevchenko sowie Meisterfeiern von 1999 und 2011.Collage historischer Fotos des AC Mailand in adidas-Trikots: Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard, Kaká mit dem Champions-League-Pokal, Andriy Shevchenko sowie Meisterfeiern von 1999 und 2011.
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AC Milan vor Rückkehr zu adidas: Die Geschichte einer ikonischen Partnerschaft

IMAGO; Edit: SUPERSUB

Adidas soll Puma 2028 als Ausrüster des AC Milan ablösen. Die mögliche Rückkehr der drei Streifen weckt Erinnerungen an legendäre Spieler, große europäische Nächte und einige der ikonischsten Trikots der Fußballgeschichte.

Die weißen Streifen auf den Schultern, das rot-schwarze Trikot, Paolo Maldini mit der Kapitänsbinde. Oder Kaká, der mit dem Ball am Fuß durch die gegnerische Abwehr läuft. Wer an den AC Milan der 2000er-Jahre denkt, hat oft auch adidas vor Augen. Die deutsche Sportartikelmarke prägte über Jahrzehnte das Erscheinungsbild eines der erfolgreichsten Klubs Europas. Nun könnte eine Partnerschaft zurückkehren, die weit mehr hinterlassen hat als Trikots.

Nach Angaben der italienischen Sportzeitung La Gazzetta dello Sport sollen sich AC Milan und adidas auf eine neue Zusammenarbeit verständigt haben. Der Ausrüstervertrag soll im Sommer 2028 beginnen, zehn Jahre laufen und ein Gesamtvolumen von rund 500 Millionen Euro erreichen. Offiziell bestätigt ist die Einigung bislang nicht. Sollte der Wechsel zustande kommen, würden die drei Streifen nach zehn Jahren Puma auf die Trikots der Rossoneri zurückkehren.

AC Milan und adidas: Der erste Stern und die drei Streifen

Die gemeinsame Geschichte begann 1978. Adidas rüstete Milan erstmals aus und begleitete den Klub gleich in der ersten Saison zu einem besonderen Erfolg. Die Rossoneri gewannen 1979 mit Gianni Rivera ihre zehnte italienische Meisterschaft. Fortan durften sie einen goldenen Stern über dem Vereinswappen tragen. Rivera beendete nach dem Titelgewinn seine Karriere.

1980 trennten sich die Wege zunächst. Zehn Jahre später kehrte adidas zurück. Milan gehörte inzwischen zu den besten Mannschaften Europas. Arrigo Sacchi hatte mit Marco van Basten, Ruud Gullit, Frank Rijkaard, Franco Baresi und Maldini eine Mannschaft geformt, die den europäischen Fußball nachhaltig veränderte. Die Europapokalsiege 1989 und 1990 feierte der Klub allerdings noch in Trikots von Kappa.

Die adidas-Trikots der frühen Neunziger spiegelten die damalige Fußballästhetik wider: breite rot-schwarze Streifen, großzügige Schnitte und klassische Kragen. In der Saison 1991/92 gewann Milan unter Fabio Capello die italienische Meisterschaft, ohne ein einziges Ligaspiel zu verlieren.

Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard nebeneinander im rot-schwarz gestreiften Trikot des AC Mailand mit Mediolanum-Schriftzug.
Das niederländische Trio im adidas-Trikot der frühen Neunziger: Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard vor der Saison 1991/92. © IMAGO / Buzzi

1993 übernahm Lotto die Ausstattung. Fünf Jahre später fanden Milan und adidas erneut zusammen – diesmal für zwei Jahrzehnte.

Milans adidas-Rückkehr von 1998

Maldini war inzwischen Kapitän, als adidas 1998 zu Milan zurückkehrte. Die rot-schwarzen Heimtrikots trugen den Opel-Schriftzug auf der Brust. Spieler wie Alessandro Costacurta, Zvonimir Boban, George Weah und Oliver Bierhoff gehörten zur Mannschaft, die 1999 unter Alberto Zaccheroni die italienische Meisterschaft gewann.

Vier Spieler des AC Mailand im rot-schwarzen Trikot mit Opel-Schriftzug jubeln, einer hält eine italienische Fahne.
Oliver Bierhoff, Ibrahim Ba, Demetrio Albertini und George Weah feiern 1999 die erste Meisterschaft nach der Rückkehr zu adidas. © IMAGO / Buzzi

In den folgenden Jahren entwickelte Carlo Ancelotti eine Mannschaft, die zu einer der bekanntesten Generationen der Vereinsgeschichte werden sollte. Maldini, Andrea Pirlo, Clarence Seedorf, Gennaro Gattuso, Alessandro Nesta, Andriy Shevchenko und später Kaká prägten das Bild der Rossoneri.

Doch während Rot und Schwarz die traditionellen Vereinsfarben blieben, gewann ein anderes Trikot für Milan eine besondere Bedeutung.

Milans weiße Trikots: Von Manchester über Istanbul nach Athen

Manchester, 28. Mai 2003. Shevchenko steht am Elfmeterpunkt. 120 Minuten gegen Juventus haben keinen Sieger hervorgebracht. Gianluigi Buffon wartet im Tor.

Shevchenko läuft an und trifft. Milan gewinnt das Elfmeterschießen und damit zum sechsten Mal den wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb.

Andriy Shevchenko läuft mit ausgebreiteten Armen jubelnd über den Rasen, im weißen Trikot des AC Mailand mit Opel-Schriftzug.
Andriy Shevchenko nach dem entscheidenden Elfmeter im Champions-League-Finale 2003 gegen Juventus in Manchester. © IMAGO / Ulmer

Der Ukrainer trägt ein weißes adidas-Trikot mit roten und schwarzen Akzenten. Auf der Brust steht Opel. Die Bilder des entscheidenden Elfmeters und der anschließenden Feierlichkeiten gehören zu den bekanntesten Momenten der jüngeren Milan-Geschichte.

Weiß besaß für den Klub allerdings schon lange vor diesem Abend eine besondere Bedeutung. Bereits 1963 gewann Milan seinen ersten Europapokal der Landesmeister in weißen Trikots. Weitere Titel folgten 1989, 1990 und 1994, als die Rossoneri mit anderen Ausrüstern aufliefen. Mit dem Erfolg von Manchester 2003 hatte Milan fünf seiner sechs Europapokalsiege in Weiß gefeiert.

Die Farbe galt längst als Glücksbringer. Doch zwei Jahre nach Manchester bekam diese Geschichte einen schmerzhaften Bruch.

Milan traf 2005 im Champions-League-Finale von Istanbul auf Liverpool. Die Rossoneri führten zur Halbzeit mit 3:0. Innerhalb von sechs Minuten glich Liverpool aus und gewann später im Elfmeterschießen. Milan hatte auch an diesem Abend Weiß getragen.

Als sich beide Mannschaften 2007 im Finale von Athen erneut gegenüberstanden, war die Erinnerung an Istanbul noch frisch. Milan wurde offiziell als Heimmannschaft geführt und hätte in den traditionellen rot-schwarzen Trikots spielen können. Der Klub entschied sich trotzdem für Weiß.

Die UEFA berichtete bereits vor dem Finale über diese bewusste Wahl und führte sie auf die fünf europäischen Titel in Weiß zurück. Die Niederlage von Istanbul hatte den Glauben an die weißen Trikots offenbar nicht erschüttert.

Das Trikot von Athen war erneut weiß, mit roten und schwarzen Details und den drei Streifen von adidas. Auf der Brust stand inzwischen bwin.

Filippo Inzaghi erzielte beide Treffer beim 2:1 gegen Liverpool. Milan gewann seinen siebten Europapokal und revanchierte sich für die Niederlage von Istanbul. Maldini stemmte den Pokal in den Athener Nachthimmel, Kaká beendete den Wettbewerb als Torschützenkönig.

Kaká stemmt im weißen Trikot des AC Mailand mit bwin-Schriftzug den Champions-League-Pokal, umgeben von Mitspielern.
Kaká stemmt in Athen den Pokal: Milans siebter Europapokalsieg, gefeiert im weißen Trikot. © IMAGO / Panoramic by PsnewZ

Die Entscheidung für Weiß hatte sich ausgezahlt. Und adidas war erneut Teil eines der größten Momente der Milan-Geschichte.

AC Milan und adidas: Das Ende einer Ära

Die Partnerschaft begleitete Milan auch durch die Jahre nach dem Triumph von Athen. Kaká gewann 2007 den Ballon d’Or, Ronaldinho wechselte 2008 nach Mailand und David Beckham trug während zweier Leihaufenthalte das rot-schwarze Trikot.

2011 führte Zlatan Ibrahimović den Klub gemeinsam mit Spielern wie Thiago Silva und Kevin-Prince Boateng zur italienischen Meisterschaft.

Zlatan Ibrahimović, Massimo Ambrosini und Gennaro Gattuso im rot-schwarzen Trikot des AC Mailand halten den Pokal der Serie A.
Zlatan Ibrahimović, Massimo Ambrosini und Gennaro Gattuso mit dem Meisterpokal von 2011, dem letzten Scudetto der adidas-Ära. © IMAGO / Buzzi

2018 endete die zwanzigjährige Zusammenarbeit. Puma übernahm die Ausstattung und begleitete Milan durch eine Phase des sportlichen Neuaufbaus. Mit dem Gewinn der italienischen Meisterschaft 2022 schrieb der Klub auch ohne adidas ein weiteres erfolgreiches Kapitel seiner Geschichte.

Milan gewann in Weiß mit unterschiedlichen Ausrüstern, verlor darin eines der dramatischsten Finals seiner Geschichte und entschied sich zwei Jahre später trotzdem erneut für diese Farbe. Adidas hat diese Tradition nicht geschaffen. Doch die Bilder von Shevchenko in Manchester und Inzaghi in Athen haben dafür gesorgt, dass die drei Streifen bis heute ein Teil davon sind.

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Adrian Kühnel
Gründer und Herausgeber
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