Michael Olise gestaltet nicht nur seinen Ballon-d’Or-Anzug selbst mit. Auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht der Bayern-Profi auch eigene Kurzfilme. Sein neuestes Projekt führt hinter die Kulissen einer Zusammenarbeit mit jungen Londoner Kreativen.
Auf seinem YouTube-Kanal hat Michael Olise bislang zwei Videos veröffentlicht. Beide tragen seine Initialen im Titel, und in beiden steht er in den Credits als Filmschöpfer. Nach dem Ballon d’Or erschien „MO 002“, 100 Sekunden lang und gedreht auf analogem 16-mm-Material. Olise bezeichnet den Film als „A celebration of process“ – eine Würdigung des kreativen Entstehungsprozesses.
Die Filme setzen fort, was im Sommer auf Instagram begann. Vor der WM 2026 löschte Olise seinen kompletten Feed, während des Turniers erschienen dort nur noch körnige Bilder, die der deutsche Fotograf Lukas Korschan von einem Röhrenfernseher abfotografiert hatte.
Im August folgte „MO 001“, ein minimalistischer, künstlerischer Kurzfilm ohne klassische Werbebotschaft und ohne erklärende Kampagne. Olise beschreibt ihn als „Portrait of persistence“, als Porträt der Beharrlichkeit, in dem der Rhythmus der Arbeit hörbar wird. Regie führte Noah Gravs, die eigens komponierte Musik und das Sounddesign stammen von Jon Clarke von The Hogan, die Umsetzung und die visuellen Effekte von Untold Studios.
Als Produzent wird in beiden Filmen „Olise Internal“ genannt. Wie schon mit den Lo-Fi-Bildern während der WM baut Olise damit an einer eigenen, zurückgezogenen und geheimnisvollen Bildsprache. Im zweiten Film richtet er den Blick auf die Menschen, die seinen Anzug für die Verleihung gefertigt haben.
Michael Olise und YAKU: Wie der Ballon-d’Or-Anzug entstand
Auch beim Anzug steht Olise in den Credits an erster Stelle: Er entwarf ihn gemeinsam mit YAKU, das Londoner Label übernahm die weitere Entwicklung und das Styling. Yaku Stapleton gründete YAKU 2023, im Jahr seines Masterabschlusses am Central Saint Martins. Es war der erste maßgeschneiderte Anzug des Labels.
Olise selbst wurde in London geboren und wuchs im Westlondoner Stadtteil Hayes auf. Dort spielte er als Kind für Hayes & Yeading United, später in der Jugend des FC Chelsea, und bei Crystal Palace wurde er Premier-League-Profi, bevor er 2024 zum FC Bayern wechselte.
Wie stark Olise eingebunden war, beschreibt YAKU gegenüber Hypebeast: Die Zusammenarbeit habe sich „von Anfang an sehr bewusst“ angefühlt, Olises kreativer Input habe „jeden Aspekt des Anzugs geprägt“.
Nach einem Praktikum bei YAKU und einem Studium an der Leeds Arts University kehrte Charlie Brown für das Projekt zum Label zurück und übernahm die Leitung. In den Credits stehen Brown und Zac McGarry, der an der Londoner Savile Row arbeitet, für die Beratung bei der Maßschneiderei.
Weitere Einzelheiten zur Gestaltung verriet Stapleton im Interview mit Complex: Die militärischen Verschnürungen auf der Jacke ergeben Olises Initialen, die Hose sitzt unterhalb der Hüfte und staucht sich am Saum wie eine Baggy Jeans. Zur französischen Militärschneiderei kommt damit ein Detail aus der Streetwear. Stapleton nennt das „bespoke pant sag“, eine maßgeschneiderte Version der tief sitzenden Hose.
Die dreißig Knöpfe aus Silber und Amethyst, deren Form an Naturgestein angelehnt ist, goss der Londoner Schmuckdesigner Toby Vernon von Hand. Mit seinem Label The Ouze gehört er zum Jahrgang 2025/26 von NewGen, dem Förderprogramm, mit dem der British Fashion Council seit 1993 junge Designer unterstützt. Porträtiert hat Olise in dem Anzug die Londoner Fotografin Cassia Agyeman.
Michael Olises Ballon-d’Or-Kurzfilm auf 16 mm
Der Film begleitet die Arbeit von den ersten Skizzen bis zu den Anproben und zeigt auch Momente hinter den Kulissen vor der Verleihung. Die charakteristische Körnung des analogen Filmmaterials bleibt in den Aufnahmen sichtbar.
Auf dem Platz spektakulär, vor den Mikrofonen oft wortkarg: Olise gilt als „Mr. Nonchalant“. Erklärt hat er seine Projekte kaum, gezeigt umso mehr: den körnigen Instagram-Feed, zwei Kurzfilme, den gemeinsam mit YAKU entworfenen Anzug und die handbemalten Hypervenom-Schuhe, in denen er bei der WM auflief. Sie zeigen eine andere Seite des Bayern-Profis.
Olise überlässt seine Außendarstellung nicht einfach anderen, sondern gestaltet sie selbst mit. Das macht ihn auch für kommerzielle Partner interessant. Nike soll den Franzosen künftig zum Gesicht des neu aufgelegten Hypervenom machen, ausgerechnet jenes Fußballschuhs, dem Olise auch ohne Ausrüstervertrag über Jahre treu geblieben ist. Dass er längst eine eigene Vorstellung davon hat, wie er auftreten möchte, zeigt er mit seinem zweiten Kurzfilm selbst.


































