Wenn der FC Bayern München auf Borussia Dortmund trifft, spricht die Bundesliga vom „Klassiker“. Dabei prägten lange ganz andere Duelle den deutschen Fußball. Die Geschichte des Namens führt über Madrid und Barcelona bis nach Wembley.
In den 1970er-Jahren war Borussia Dortmund nicht der große Rivale des FC Bayern München. Der BVB stieg 1972 aus der Bundesliga ab und kehrte erst 1976 zurück. Die Meisterschaft machten in dieser Zeit zwei andere Klubs unter sich aus:

Von 1969 bis 1977 gewannen neunmal in Folge entweder die Bayern oder Borussia Mönchengladbach den Titel. Die Bundesliga spricht rückblickend sogar vom „original German Klassiker“ zwischen Bayern und Gladbach.
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Den festen Namen „Klassiker“ trägt dennoch ein anderes Spiel: Bayern gegen Dortmund. Die Bezeichnung ist vergleichsweise jung, und auch die Rivalität dahinter wurde erst spät zu dem, was sie heute ist.
Wie Bayern gegen Dortmund zum Spitzenspiel wurde
Auf Bayern gegen Gladbach folgte eine andere große Rivalität. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde Werder Bremen zu einem der wichtigsten Konkurrenten der Münchner. 1986 hätte Werder mit einem Sieg im direkten Duell am vorletzten Spieltag die Meisterschaft sichern können. Doch Michael Kutzop setzte in der 88. Minute einen Elfmeter an den Pfosten. Am letzten Spieltag zog Bayern noch vorbei.
1993 wurde Bremen selbst Meister.

Elf Jahre später sicherte sich Werder den Titel mit einem 3:1-Sieg in München.
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Auch abseits des Platzes war das Verhältnis angespannt: Bayern-Manager Uli Hoeneß und sein Bremer Gegenüber Willi Lemke lieferten sich über Jahre öffentliche Auseinandersetzungen.
Borussia Dortmund spielte in diesen Jahren lange keine vergleichbare Rolle im Titelkampf. Zwar hatte der BVB das erste Bundesligaduell mit den Bayern am 16. Oktober 1965 mit 2:0 in München gewonnen. Doch erst 1995 wurde Dortmund wieder deutscher Meister – ausgerechnet mit Schützenhilfe der Bayern. Am letzten Spieltag besiegten die Münchner den Tabellenführer Bremen mit 3:1 und ermöglichten dem BVB damit den ersten Titel seit 32 Jahren.
Mit der Titelverteidigung 1996 und dem Champions-League-Triumph 1997 entwickelte sich die Begegnung zu einem Duell zweier Titelanwärter. Auch auf dem Platz wurde es hitziger:

Oliver Kahns Kung-Fu-Sprung gegen Stéphane Chapuisat im April 1999 gehört bis heute zu den bekanntesten Szenen dieser Rivalität.
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Dauerhaft auf Augenhöhe blieben die beiden Klubs allerdings nicht. Im Frühjahr 2005 stand der BVB kurz vor der Insolvenz und verlor auch sportlich den Anschluss an die Spitze. Erst unter Jürgen Klopp, der 2008 das Traineramt übernahm, entwickelte sich die Begegnung wieder zu einem regelmäßigen Spitzenduell.

Der BVB wurde 2011 und 2012 deutscher Meister und besiegte die Bayern im DFB-Pokalfinale 2012 mit 5:2. Es war sein fünfter Pflichtspielsieg in Folge gegen den Rekordmeister.
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Ein Jahr später standen sich beide Klubs am 25. Mai 2013 in Wembley im ersten rein deutschen Champions-League-Finale gegenüber. Arjen Robben entschied es in der 89. Minute zum 2:1 für die Bayern.
Seit wann heißt Bayern gegen Dortmund „der Klassiker“?
Wer den Namen erfunden hat, lässt sich nicht belegen. Der Vergleich mit Spanien ist aber älter als Wembley. Bereits im April 2012 sagte Bayerns damaliger Sportdirektor Christian Nerlinger in einem Interview mit der Bild: „Es könnte sich zwischen Bayern und Dortmund ein Duell entwickeln wie in Spanien zwischen Real und Barca.“ Einen Monat später ging Ottmar Hitzfeld, der beide Klubs zur Meisterschaft und zum Champions-League-Sieg geführt hatte, einen Schritt weiter. Im offiziellen Programmheft zum DFB-Pokalfinale 2012 erschien sein Gastbeitrag unter der Überschrift „Das ist der ‚Clásico‘ des deutschen Fußballs“.
Am 27. Februar 2013, dem Tag des Pokal-Viertelfinales der beiden Klubs, überschrieb die UEFA einen Artikel mit „Klassiker: Rivalität zwischen Bayern und Dortmund erreicht neue Stufe“. Größere internationale Aufmerksamkeit bekam der Vergleich im Umfeld von Wembley: Im Halbfinale der Champions League schalteten die Bayern den FC Barcelona und Dortmund Real Madrid aus, ausgerechnet die beiden Klubs des spanischen Originals. Nach dem 3:0-Sieg der Bayern in Dortmund am 23. November 2013 schrieb die UEFA in ihrem englischsprachigen Spielbericht dann, die Münchner hätten den „Klassiker“ gewonnen, auf Deutsch und ohne weitere Erklärung.
Was „der Klassiker“ mit dem spanischen Clásico verbindet
Real Madrid gegen den FC Barcelona ist seit Jahrzehnten auch ein Duell zwischen der Hauptstadt und Katalonien, aufgeladen mit politischen und gesellschaftlichen Gegensätzen. Eine solche Vorgeschichte haben die Bayern und der BVB nicht, und auch ein Derby ist ihre Begegnung nicht. Wie jung die Rivalität war, als sie zunehmend mit dem spanischen Clásico verglichen wurde, beschrieben die beiden Trainer selbst, als sich ihre Teams 2014 erneut im Pokalfinale gegenüberstanden.

Im Programmheft zu diesem Finale zog Pep Guardiola ebenfalls den Vergleich mit der Begegnung zwischen Barcelona und Real Madrid. Allerdings habe dieses Duell „eine viel längere Tradition und manchmal auch noch größere Schärfe“. Klopp ergänzte, Bayern gegen Dortmund habe sich erst „in den letzten vier, fünf Jahren zu einem wirklich großen Duell entwickelt“.
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Der Name stellte Bayern gegen Dortmund in eine Reihe mit einem Duell, dessen Geschichte weit über den Fußball hinausreicht. Verständlich ist er trotzdem sofort: Wer „El Clásico“ kennt, weiß ohne weitere Erklärung, dass hier das wichtigste Spiel einer Liga gemeint ist.
Wie die Bundesliga den „Klassiker“ international vermarktet
Aus der Clásico-Analogie ist inzwischen ein fester Name geworden. Die Bundesliga verwendet den Begriff „Klassiker“ auch in ihren englischsprachigen Spielvorschauen und Berichten auf Deutsch, wie es die UEFA schon 2013 tat. Auf ihrer Website grenzt die Liga die beiden Rivalitäten selbst voneinander ab: Bayern gegen Dortmund sei vor allem durch den sportlichen Wettbewerb geprägt. Dass die Bezeichnung künstlich wirken könne, räumt sie dort ausdrücklich ein.
Die großen Rivalitäten der Bundesliga haben sich immer wieder verschoben. In den 1970er-Jahren brauchte Bayern gegen Gladbach keinen eigenen Namen, um das prägende Duell der Liga zu sein. Später galt das auch für Bayern gegen Bremen. Heute steht „der Klassiker“ für eine Begegnung, deren Name längst unabhängig davon funktioniert, wie viel sportlich auf dem Spiel steht.


































