Kevin Keegan im roten Trikot des Hamburger SV mit der Raute auf der Brust.Kevin Keegan im roten Trikot des Hamburger SV mit der Raute auf der Brust.
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Als ein Ballon-d’Or-Gewinner die deutschen Charts eroberte

IMAGO / Horstmüller

1979 gewinnt Kevin Keegan mit dem Hamburger SV die Deutsche Meisterschaft und zum zweiten Mal den Ballon d’Or. Dazwischen beginnt eine ungewöhnliche Musikkarriere, die ihn bis in die deutschen Top Ten führt.

Im Juni 1979, als der Hamburger SV Deutscher Meister wurde, war Kevin Keegan Gast im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF. Den Titel, den ersten des HSV seit 1960, hatte die Mannschaft mit einem 0:0 in Bielefeld perfekt gemacht. Moderator Dieter Kürten sprach Keegan auf „eine sehr interessante Platte“ an. Dann setzte das Playback ein. Keegan, im kanariengelben Poloshirt und in hellblauer Schlaghose, bewegte die Lippen zu „Head Over Heels in Love“, ging auf die Zuschauerränge und legte einer Zuschauerin den Arm um. Hinterher entschuldigte er sich, die Stimme sei nicht so gut. „Aber die Show ist prima!“, sagte Kürten.

Keegan, der im Juli 2026 im Alter von 75 Jahren starb, zählte damals zur absoluten Spitze des europäischen Fußballs. 1978 hatte er den Ballon d’Or gewonnen, Ende 1979 sollte er die Auszeichnung ein zweites Mal erhalten. Bis heute ist er der einzige Spieler des Hamburger SV, dem das gelang. Fast fünf Jahrzehnte später könnte mit Harry Kane erstmals wieder ein Engländer aus der Bundesliga den Ballon d’Or gewinnen. Der Stürmer des FC Bayern München gehört zu den Top-Favoriten für 2026. Keegan hingegen machte zwischen seinen beiden Auszeichnungen nicht nur auf dem Fußballplatz von sich reden, sondern auch als Sänger.

Kevin Keegan beim Hamburger SV: Vom Fehlstart zur Meistersaison

Keegan war im Sommer 1977 für 2,3 Millionen Mark vom FC Liverpool gekommen, mit dem er kurz zuvor den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte. Keine Ablöse in der Bundesliga war bis dahin höher gewesen. Hamburg habe ihm das Vierfache seines Gehalts in Liverpool geboten, erzählte Keegan 2007 dem Magazin „FourFourTwo“.

In Hamburg trug Keegan plötzlich eine Dauerwelle. Die Frisur fand bald Nachahmer, darunter andere Fußballprofis.

Seine erste Saison verlief enttäuschend. Günter Netzer, damals Manager des HSV, erzählte später, Keegan habe ihm früh gesagt, dass er den Verein wieder verlassen wolle. Netzer überredete ihn zu bleiben.

Kevin Keegan mit Schirmmütze signiert ein großformatiges Poster, das ihn im HSV-Trikot mit Ball zeigt.
[desktop-motion:72% 10% 1.45 > 50% 22% 1][tablet-motion:80% 50% 1 > 14% 50% 1][mobile-motion:82% 50% 1 > 10% 50% 1] Kevin Keegan signiert im Dezember 1978 ein Poster, das ihn im Trikot des Hamburger SV zeigt. © IMAGO / Metelmann

Anderthalb Jahre später war Keegan in Hamburg angekommen. Unter Trainer Branko Zebec bekam er in der Saison 1978/79 mehr Freiheiten auf dem Platz, die Hamburger nannten den rund 1,70 Meter großen Stürmer nach einer amerikanischen Comicfigur „Mighty Mouse“.

Am Ende der Saison stand er mit 17 Toren an der Spitze der vereinsinternen Torschützenliste.

Wie Kevin Keegan mit Chris Norman einen Popsong aufnahm

1978 stand Keegan im Publikum, als Smokie auf ihrer Tournee in Hamburg spielten. Die britische Band war damals auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs.

Nach dem Konzert wurden der Fußballprofi und die Musiker einander vorgestellt. „Wir hatten ein Bier zusammen“, erinnerte sich Sänger Chris Norman 2012 im Gespräch mit der „Welt“. Danach seien sie an die Hotelbar gewechselt, „oder so“.

Einige Monate später hatte Norman das Treffen beinahe vergessen, als ein Anruf aus Köln kam. Ein Mitarbeiter der Plattenfirma EMI erzählte ihm, Kevin Keegan mache eine Single, und fragte, ob Smokie den Song dafür schreiben, produzieren und aufnehmen wollten. Norman und sein Bandkollege Pete Spencer sagten zu: „Hört sich lustig an. Machen wir.“

Einen passenden Song hatten Norman und Spencer bereits. Er sollte eigentlich auf „Stumblin’ In“ folgen, Normans Duett mit Suzi Quatro, wieder als Lied zweier Verliebter. Doch Quatro war nicht interessiert.

Die beiden schickten EMI ein Demo, Keegan bekam es auf Kassette und lernte Melodie und Text zu Hause.

Im Frühjahr 1979 kam Norman nach Hamburg, ins Rüssl-Tonstudio, das damals Otto Waalkes gehörte. Viel erklären musste er dort nicht.

Keegan solle den Kopfhörer beim Singen nicht von einem Ohr nehmen, sonst höre er sich nicht richtig, und er müsse auf die Betonungen achten. Über die Stimme des Fußballers sagte Norman später: „Der kann den Ton halten. Ansonsten hätte ich es auch nicht gemacht.“

Ein Fußballlied wurde es nicht. Für einen einzelnen Spieler wäre das „ein bisschen seltsam gewesen“, sagte Norman, und EMI habe damals ohnehin lieber einen Lovesong gewollt. Auf die B-Seite kam mit „Move On Down“ ein rockigeres Stück.

Kevin Keegan hält lächelnd die Single „Head Over Heels in Love“ mit seinem Porträt auf der Hülle neben sein Gesicht.
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Am 18. Juni 1979 stieg „Head Over Heels in Love“ in die deutschen Singlecharts ein. 15 Wochen blieb es dort, eine davon auf Platz zehn. In Großbritannien erreichte die Single Platz 31.

Kevin Keegans zweite Single und der Abschied vom HSV

Als Keegan im Dezember 1979 zum zweiten Mal den Ballon d’Or gewann, war das Lied längst aus der Hitparade verschwunden. Im Mai 1980 verlor er mit dem HSV das Endspiel im Europapokal der Landesmeister gegen Nottingham Forest.

Kevin Keegan steht mit ausgebreiteten Armen und Notenständer vor einem Fußballtor, hinter ihm junge Fans mit britischen Fahnen.
[desktop-fit:contain][tablet-fit:contain] Kevin Keegan 1980 in Hamburg bei einem Fototermin zu seiner Single „England“. © IMAGO / United Archives

Für seine zweite Single stellte sich Keegan 1980 mit einem Notenständer vor ein Fußballtor. Hinter ihm schwenkten junge Fans britische Fahnen.

Seit Februar 1980 stand fest, dass Keegan den HSV verlassen würde, der FC Southampton hatte seine Verpflichtung bekanntgegeben. Als die Single im Juni in die deutschen Charts einstieg, war seine letzte Saison in Hamburg vorbei. Sie kam bis auf Platz 61. Ihr Titel: „England“.

Über den Autor
Adrian Kühnel
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