Seit 1956 zeichnet der Ballon d’Or die herausragenden Fußballer ihrer Zeit aus. Fünf Deutsche stehen auf der Siegerliste, vom Torjäger bis zum Libero. Zwei von ihnen gewannen den Preis sogar zweimal.
Der letzte deutsche Gewinner des Ballon d’Or spielte bei Borussia Dortmund. Als Matthias Sammer 1996 ausgezeichnet wurde, hatte er gerade mit Deutschland die Europameisterschaft gewonnen. Zuvor hatten vor allem Spieler des FC Bayern München den Preis nach Deutschland geholt.
Insgesamt haben fünf deutsche Fußballer den Ballon d’Or gewonnen, den die Zeitschrift France Football seit 1956 vergibt. Weil Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge jeweils zweimal ausgezeichnet wurden, stehen sieben deutsche Siege in der Geschichte des Preises.
Matthias Sammer – 1996
Matthias Sammer ist der bislang letzte deutsche Fußballer, der den Ballon d’Or gewonnen hat. Der damalige Spieler von Borussia Dortmund setzte sich 1996 mit 144 zu 143 Punkten gegen den Brasilianer Ronaldo durch. Dass ein Brasilianer überhaupt gewählt werden konnte, lag an einer Regeländerung: Seit 1995 waren auch Spieler anderer Nationalitäten zugelassen, sofern sie bei einem europäischen Verein unter Vertrag standen. Entscheidend war für Sammer ein Jahr, in dem er sowohl mit seinem Verein als auch mit der deutschen Nationalmannschaft erfolgreich war.

Mit Borussia Dortmund gewann er 1996 zum zweiten Mal in Folge die deutsche Meisterschaft. Seine besondere Bedeutung für die Mannschaft lag dabei auch in seiner Rolle auf dem Spielfeld: Unter Trainer Ottmar Hitzfeld hatte sich Sammer vom Mittelfeldspieler zum Libero entwickelt. Von dort organisierte er die Defensive und beteiligte sich zugleich am Spielaufbau.
Bei der Europameisterschaft 1996 in England gehörte Sammer anschließend zu den prägenden Spielern der deutschen Mannschaft. Er erzielte zwei Tore, wurde mit Deutschland Europameister und als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Wenige Monate später erhielt er den Ballon d’Or.
Lothar Matthäus – 1990
Sechs Jahre zuvor hatte Lothar Matthäus den Ballon d’Or gewonnen. Anders als die übrigen vier deutschen Preisträger stand er zum Zeitpunkt seiner Auszeichnung nicht bei einem Bundesligisten unter Vertrag, sondern spielte für Inter Mailand in der italienischen Serie A.

Seinen größten Erfolg feierte Matthäus 1990 mit der deutschen Nationalmannschaft. Als Kapitän führte er das Team bei der Weltmeisterschaft in Italien zum Titel. Im Finale gegen Argentinien gewann Deutschland durch einen verwandelten Elfmeter von Andreas Brehme mit 1:0.
Matthäus hatte während des Turniers nicht nur als Führungsspieler überzeugt, sondern auch vier Tore erzielt. Seine Leistungen als dynamischer Mittelfeldspieler, der defensive Aufgaben mit offensiver Durchschlagskraft verband, machten ihn zu einem der herausragenden Akteure des Wettbewerbs.
Am Ende des Jahres wurde er mit dem Ballon d’Or ausgezeichnet. 1991 erhielt Matthäus zudem die erstmals vergebene Auszeichnung als FIFA-Weltfußballer des Jahres.
Karl-Heinz Rummenigge – 1980 und 1981
Karl-Heinz Rummenigge gehört zu den beiden Deutschen, die den Ballon d’Or mehrfach gewinnen konnten. Der Angreifer des FC Bayern München wurde 1980 und 1981 ausgezeichnet und war damit der erste deutsche Spieler, der den Preis in zwei aufeinanderfolgenden Jahren erhielt.

1980 gewann Rummenigge mit dem FC Bayern die deutsche Meisterschaft. Mit 26 Treffern wurde er außerdem Torschützenkönig der Bundesliga. Im selben Jahr gehörte er zur deutschen Nationalmannschaft, die bei der Europameisterschaft in Italien den Titel holte. Im Finale gegen Belgien schlug Rummenigge kurz vor Schluss den Eckball, den Horst Hrubesch zum 2:1-Siegtreffer einköpfte.
Ein Jahr später verteidigte der FC Bayern die Meisterschaft. Rummenigge erzielte diesmal 29 Bundesligatore und sicherte sich erneut die Torjägerkanone. Seine Leistungen brachten ihm auch bei der Wahl zum Ballon d’Or den ersten Platz ein. Auf Rang zwei landete sein Münchner Mannschaftskollege Paul Breitner.
Franz Beckenbauer – 1972 und 1976
Franz Beckenbauer war 1972 der erste deutsche Verteidiger, der den Ballon d’Or gewann. Vier Jahre später erhielt er die Auszeichnung ein zweites Mal. Bis heute ist er der einzige Verteidiger, der den Ballon d’Or zweimal gewonnen hat.

Beckenbauer hatte die Rolle des Liberos entscheidend geprägt. Er beschränkte sich nicht darauf, Angriffe des Gegners zu unterbinden, sondern gestaltete das Spiel aus der Defensive heraus. Seine Übersicht, seine Technik und sein Einfluss auf den Spielaufbau machten ihn zu einem außergewöhnlichen Spieler seiner Position.
1972 gewann er mit dem FC Bayern die deutsche Meisterschaft und führte die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän zum Europameistertitel. Bei der anschließenden Ballon-d’Or-Wahl setzte er sich knapp gegen seine Landsleute Gerd Müller und Günter Netzer durch.
Auch seine zweite Auszeichnung folgte auf ein erfolgreiches Jahr. 1976 gewann Beckenbauer mit Bayern zum dritten Mal hintereinander den Europapokal der Landesmeister. Mit Deutschland erreichte er zudem das Finale der Europameisterschaft, das im Elfmeterschießen gegen die Tschechoslowakei verloren ging.
Gerd Müller – 1970
Der erste deutsche Ballon-d’Or-Gewinner war Gerd Müller. Der Stürmer des FC Bayern München erhielt die Auszeichnung 1970, nachdem er sowohl in der Bundesliga als auch bei der Weltmeisterschaft in Mexiko außergewöhnliche Torquoten erreicht hatte.

In der Bundesligasaison 1969/70 erzielte Müller 38 Treffer und wurde Torschützenkönig. Bei der Weltmeisterschaft traf er anschließend zehnmal für die deutsche Nationalmannschaft. Damit sicherte er sich auch die Torjägerkrone des Turniers.
Deutschland belegte bei der Weltmeisterschaft den dritten Platz. Müller hatte unter anderem im Halbfinale gegen Italien zweimal getroffen, konnte die 3:4-Niederlage nach Verlängerung aber nicht verhindern.
Seine herausragende Stärke war der Torabschluss. Müller benötigte häufig nur wenig Raum und wenige Ballkontakte, um gefährlich zu werden. Seine Reaktionsschnelligkeit und sein Gespür für freie Räume im Strafraum machten ihn zu einem der erfolgreichsten Torjäger der Fußballgeschichte.
Bei der Ballon-d’Or-Wahl 1970 setzte er sich gegen den englischen Weltmeister von 1966, Bobby Moore, durch.
Fünf Spieler, sieben Ballon-d’Or-Siege
Vom Torjäger Gerd Müller über den Libero Franz Beckenbauer bis zum Mittelfeldspieler Lothar Matthäus: Die fünf deutschen Gewinner kamen aus unterschiedlichen Mannschaftsteilen. Ein Torhüter war nicht darunter.
Seit Matthias Sammers Auszeichnung 1996 erreichten von den deutschen Spielern allerdings nur noch Torhüter einen Platz unter den besten drei: Oliver Kahn wurde 2001 und 2002 jeweils Dritter, Manuel Neuer 2014. Der bislang einzige Torhüter, der den Ballon d’Or gewinnen konnte, ist Lew Jaschin. Der sowjetische Nationalspieler wurde 1963 ausgezeichnet.
Bleibt die Frage, wann und mit wem Deutschland den nächsten Ballon-d’Or-Gewinner feiern wird.



































