David Beckham erzielte 1996 eines der berühmtesten Tore der Premier League. Doch die adidas Predator, die er dabei trug, waren ursprünglich für einen anderen Spieler angefertigt worden. Schon vor dem Anpfiff sorgten sie bei seinen Mannschaftskollegen für Gesprächsstoff.
Auf den neuen Fußballschuhen von David Beckham steht ein fremder Name. Vor dem ersten Spiel der Premier-League-Saison 1996/97 trägt der 21-Jährige ein neues Paar adidas Predator: Schwarzes Leder, weiße Streifen, rote Zungen. Eingestickt ist dort „Charlie“. „Vor dem Spiel wurde ich wegen meiner neuen Schuhe aufgezogen“, schreibt Beckham später in seiner Autobiografie My Side. Seine Mitspieler hätten den Namen sofort entdeckt.
Wenige Stunden später trifft Beckham mit genau diesen Schuhen aus der eigenen Hälfte. Der Treffer bei Wimbledon am 17. August 1996 gehört bis heute zu den bekanntesten der Premier-League-Geschichte. Dass die Schuhe eigentlich für einen anderen Spieler angefertigt worden waren, wissen damals nur wenige.
Wie Charlie Millers Fußballschuhe bei David Beckham landeten
Charlie Miller spielt zu dieser Zeit bei den Glasgow Rangers. Der Schotte ist 20 Jahre alt und hat mit seiner Mannschaft in der Saison zuvor die schottische Meisterschaft gewonnen. Zu Beginn der neuen Saison unterschreibt er einen Vertrag mit adidas, und für ihn wird ein Paar Predator angefertigt, auf dessen Zungen sein Vorname gestickt ist.

Doch dieses Paar landet bei einem anderen Spieler. Nach Millers Erinnerung ruft ihn ein adidas-Mitarbeiter an: Beckham brauche dringend ein Paar Predator. In Beckhams Größe 8 ist allerdings nur das Paar vorrätig, das für den Rangers-Spieler bestimmt ist. Es geht nach England statt nach Schottland.
Beckham bestätigt die Geschichte 2003 in My Side. Adidas habe ihm ein Paar Predator geschickt, das eigentlich für Charlie Miller angefertigt worden sei, mit dessen Namen auf den Zungen.
Der Schuss, der David Beckham berühmt machte
Manchester United reist als englischer Meister und FA-Cup-Sieger nach London. Wimbledon trägt seine Heimspiele damals im Selhurst Park aus. Beckham hat sich in der Vorsaison in der ersten Mannschaft festgespielt und gehört zu jener jungen Generation, mit der Alex Ferguson das Double gewonnen hat.
Eric Cantona bringt United in Führung, Denis Irwin erhöht auf 2:0. In der Nachspielzeit spitzelt Brian McClair den Ball zu Beckham, der noch in der eigenen Hälfte steht. Beckham sieht, dass Wimbledons Torhüter Neil Sullivan weit vor seinem Tor steht, und schießt. Der Ball steigt hoch in die Luft, Sullivan läuft zurück, erreicht ihn aber nicht mehr.

„Der Ball schien stundenlang in der Luft zu sein, und alles wurde still“, erinnert sich Beckham. „Dann ging er rein, und alles brach los.“ Manchester United gewinnt 3:0. Die Entfernung des Treffers wird je nach Quelle mit 55 bis 60 Yards angegeben, also rund 50 bis 55 Metern.
David Beckham und der adidas Predator Touch
Der Schuh, den Beckham an diesem Nachmittag trägt, ist der Predator Touch, die dritte Generation der Predator-Reihe, die adidas 1996 vorgestellt hat. Gummielemente auf dem Vorderfuß sollen die Reibung zwischen Schuh und Ball erhöhen, die rote Zunge lässt sich über die Schnürung klappen.
Zum 30-jährigen Jubiläum des Modells bringt adidas den Predator Touch 2026 als limitierte Neuauflage zurück. Das Design orientiert sich am Original von 1996, die Sohle stammt dagegen vom Predator 26.
Im Oktober 1996, wenige Wochen nach dem Tor, posiert Beckham bei einer adidas-Promotion in Stockport mit zahlreichen Predator-Schuhen in den Armen und über den Schultern.
Was nach dem Tor gegen Wimbledon geschah
In der Kabine gratuliert ihm Eric Cantona. Ein Interview mit der BBC-Sendung Match of the Day lässt Alex Ferguson dagegen nicht zu. In der Netflix-Dokumentation Beckham erinnert sich Beckham an Fergusons Anweisung: „David, du steigst in den Bus und sagst kein Wort. Keine Interviews.“
Zwei Wochen später, am 1. September 1996, gibt Beckham gegen Moldau sein Debüt für die englische Nationalmannschaft. „Es hat mein Leben verändert“, erinnert sich Beckham später an das Tor.
Charlie Miller stand am 17. August 1996 nicht auf dem Platz. Doch die Schuhe, die für ihn angefertigt worden waren, trug an diesem Nachmittag der Spieler, über dessen Tor die Fußballwelt bis heute spricht. Dass seine Schuhe zu diesem Treffer beigetragen hätten, glaubt Miller nicht: „Becks hätte solche Tore auch in Gummistiefeln geschossen“, sagte er später dem Daily Record.
Auf den Zungen stand „Charlie“. Das Tor gehörte David Beckham.


































