Warum ist der Fußballschuh so attraktiv für Fashionbrands?

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Arte Antwerp, Prada, Wales Bonner, Stone Island, KidSuper oder Off-White: Immer mehr Fashionbrands gestalten Fußballschuhe, die Profis tatsächlich auf dem Platz tragen. Warum ist ausgerechnet der Fußballschuh für sie so interessant?

Rayan Cherki trug beim Champions-League-Spiel von Manchester City gegen den FC Porto einen silbernen F50 mit großem Arte-Schriftzug an der Seite. Der Schuh ist Teil einer Kollaboration von adidas mit dem Antwerpener Modelabel.

Rayan Cherki mit einem adidas x Arte Antwerp F50. © IMAGO / Photo Players Images

Dabei ist Arte 2026 nicht die einzige Modemarke, deren Design auf einem aktuellen Fußballschuh auftaucht. Wales Bonner, Stone Island, Patta oder KidSuper haben ebenfalls mit Sportartikelherstellern an Modellen für den Rasen gearbeitet.

Doch warum ausgerechnet der Fußballschuh? Die Geschichte beginnt fast drei Jahrzehnte zuvor.

Wie Modemarken den Fußballschuh für sich entdeckten

1998 arbeitete Jil Sander mit PUMA zusammen. Elemente des Fußballschuhs KING und des Laufschuhs EASY RIDER flossen in ein gemeinsames Lifestyle-Modell ein. Die Silhouette des Fußballschuhs wurde zur Grundlage eines Sneakers für die Straße.

Acht Jahre später ging Yohji Yamamoto weiter. Der japanische Designer gestaltete mit adidas den +F50 Tunit, einen aktuellen Fußballschuh für den Einsatz auf dem Rasen. Drei Jahre zuvor hatten beide Partner bereits Y-3 gestartet. Gemeinsam mit dem Künstler Taishi Hayashi entstanden vier Varianten mit den Motiven Dragon, Tiger, Eagle und Wolf.

2013 kehrte Yamamoto zum F50 zurück. Zwei japanische Löwenhunde zogen sich über das Obermaterial. David Alaba trug das limitierte Modell für den FC Bayern. Die Arbeit eines Modedesigners war nun im Profifußball zu sehen.

Von Virgil Abloh bis Prada: Neue Formen der Zusammenarbeit

2018 ließ Nike zwei prominente Modedesigner am Mercurial arbeiten. Kim Jones gestaltete einen Superfly 360 für Cristiano Ronaldo, wenige Wochen später folgte Virgil Abloh. Schriftzüge, grafische Markierungen und Punkte an verschiedenen Kontaktzonen des Fußes prägten Ablohs orangefarbenen Mercurial. Kylian Mbappé lief in einer für ihn angepassten Superfly-Version auf.

Ablohs Mercurial folgte einem Muster, das sich in der Sneakerwelt längst etabliert hatte: ein bekanntes Modell, die Handschrift eines Designers, eine limitierte Auflage und ein prominenter Träger.

Der Nike x Off White Superfly, der 2018 für Kylian Mbappé erschien. © Nike

2021 rückte ein anderer Teil des Schuhs in den Mittelpunkt. Adidas, Stella McCartney und Paul Pogba entwickelten gemeinsam den Predator Freak Vegan. Adidas präsentierte das limitierte Modell als ersten vollständig veganen Fußballschuh des Unternehmens. Materialien und Komponenten mussten sowohl den veganen Standards als auch den Anforderungen auf dem Platz entsprechen. Pogba war an der Entwicklung beteiligt und nicht nur Träger des fertigen Schuhs.

Adidas, Stella McCartney und Paul Pogba entwickelten 2021 gemeinsam den Predator Freak Vegan. © Adidas

2023 weitete Prada die Zusammenarbeit auf drei adidas-Performance-Linien aus: Predator Accuracy, Copa Pure und X Crazyfast. Leder, die rote Linea Rossa und eine weitgehend monochrome Farbgebung verbanden die drei Schuhe optisch.

Was Fashionbrands auf den Fußballschuh bringen

2025 brachte BAPE sein ABC-Camo auf Predator und F50. 2026 häuften sich solche Kollaborationen.

Wales Bonner versah den adidas Predator mit Schlangenprint und einer umklappbaren Zunge aus cognacfarbenem Leder. Beim New Balance Furon von Stone Island verändert eine hitzereaktive Grafik ihr Erscheinungsbild mit der Temperatur.

Der adidas x Wales Bonner Predator, der 2026 erschien. © Adidas

KidSuper nahm Neymar selbst zum Ausgangspunkt. Gemeinsam mit PUMA entstand für den Brasilianer ein FUTURE mit einem Phönix, der auf Rückschläge und Comebacks seiner Karriere verweist. Patta brachte seine Wave-Grafik auf den Nike Mercurial. Travis Scott gestaltete mit seinem Label Cactus Jack gemeinsam mit Nike einen Phantom 6, den anschließend Erling Haaland bei der Weltmeisterschaft präsentierte. Dolce&Gabbana gestaltete mit Diadora einen Brasil mit Leopard-Print-Ponyhaar-Details auf Leder.

Muster, Materialien, markentypische Grafiken oder die Geschichte eines Spielers können zum Ausgangspunkt werden.

Was den Fußballschuh für Fashionbrands so interessant macht

Predator, Mercurial und F50 sind Fußballfans seit Jahrzehnten vertraut. Zinédine Zidane und David Beckham prägten den Predator, Ronaldo Nazário und Cristiano Ronaldo machten den Mercurial weltweit bekannt. Diese Schuhe sind längst mit bestimmten Spielern, Turnieren und Epochen verbunden. Für Fashionbrands erscheint das attraktiv, weil sie ihre eigene Gestaltung auf ein Produkt übertragen, das im Fußball bereits Wiedererkennung und Geschichte mitbringt.

Gleichzeitig bietet der Fußballschuh mehr Spielraum als das Trikot. Ausrüster und Sponsoren auf dem Trikot werden durch die Verträge des Klubs bestimmt. Die entsprechenden Flächen sind meist über einen längeren Zeitraum vergeben. Für ihre Fußballschuhe haben viele Profis dagegen individuelle Ausrüsterverträge mit Marken, die nicht zwangsläufig auch ihren Verein ausstatten.

Auch während einer Saison bleibt mehr Flexibilität: Spieler können immer wieder neue Farbvarianten und Sondermodelle tragen. Beim Trikot gibt es ebenfalls Sondermodelle und vereinzelt Kollaborationen mit Modemarken, sie sind jedoch eine Rarität.

Hinzu kommt die Verbindung zum einzelnen Spieler. Die Kollaboration lässt sich mit dessen persönlichem Image verbinden. Eine Marke kann gezielt einen Athleten auswählen, dessen Stil und öffentliche Wahrnehmung zu ihr passen. Gemeinsam mit dessen Ausrüster kann sie ein Sondermodell gestalten und über den Spieler direkt auf dem Platz sichtbar werden.

1998 nahm Jil Sander Elemente des Fußballschuhs mit auf die Straße. Fast drei Jahrzehnte später trug Rayan Cherki in Porto einen F50 mit großem Arte-Schriftzug an der Seite.

Auf seinem Trikot wäre dafür kein Platz gewesen.

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Adrian Kühnel
Gründer und Herausgeber
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