Trim it like Beckham: Wie ein Fußballer die Frisur zum Kulturgut machte

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Lange bevor Fußballer ihre Haarschnitte auf YouTube inszenierten, sorgte David Beckham mit jeder neuen Frisur für Gesprächsstoff. Wie der Engländer ein eigenes Genre erfand.

Als Erling Haaland sich vor dem Saisonstart die Mähne abrasierte, war der Norweger längst nicht der Erste, der mit einem Haarschnitt Schlagzeilen produzierte. Die Blaupause dafür lieferte ein Engländer: David Beckham machte die Fußballer-Frisur zu einem Thema, über das die Welt sprach, lange bevor es Social Media gab.

Zwischen Mitte der 90er und Ende der 2000er wechselte Beckham seine Looks in einem Tempo, wie man es im Fußball bis dahin kaum gesehen hatte, vom Buzz Cut über Faux Hawk und Cornrows bis zur langen Madrid-Mähne. Entscheidender als jede einzelne Frisur war aber, was sie auslösten.

David Beckhams Rolle: Als die Frisur zum Statement wurde

Auffällige Frisuren gab es im Fußball auch vor ihm, Carlos Valderramas Lockenpracht, Ruud Gullits Dreadlocks, Roberto Baggios Zopf. Doch das waren Markenzeichen einzelner Exzentriker, über Jahre nahezu unverändert. Beckham machte etwas anderes daraus: Bei ihm wurde der ständige Wechsel selbst zum Ereignis. Fast jede neue Frisur war eine Nachricht, verhandelt in Zeitungen und Fernsehsendungen, diskutiert auf dem Schulhof.

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Das war mehr als Eitelkeit. Im Trikot sehen alle gleich aus, die Frisur war eine der wenigen Flächen, auf denen ein Spieler zeigen konnte, wer er außerhalb des Rasens ist. Beckham nutzte diese Fläche so konsequent wie kaum jemand vor ihm, und machte sie damit für eine ganze Generation von Profis erst sichtbar.

Beckhams Wirkung: Vom Schulhof bis zum Personal Branding

Die Nachahmung folgte prompt. Als Beckham bei der WM 2002 mit Faux Hawk auflief, wurde der Schnitt zum weltweiten Trend, in Barbershops rund um den Globus nachgefragt wie kaum ein anderer. Der Umgang mit Haaren war für Beckham dabei nie Neuland: Seine Mutter arbeitete als Friseurin.

Zugleich war die Frisur Teil eines größeren Plans. Fußballer wie George Best oder Pelé waren zwar schon vor ihm Werbegesichter und Berühmtheiten. Doch Beckham trieb das Prinzip auf die Spitze und machte seine eigene Person so konsequent zur Marke wie kaum ein Spieler vor ihm. Die Medien fanden dafür sogar ein eigenes Etikett: „Brand Beckham“. Der ständig wechselnde Look hielt ihn im Gespräch, auch abseits der Spieltage. Diesem Weg, vom Fußballer zur Marke, folgten später Cristiano Ronaldo, Neymar und viele andere.

Von Beckham zu Haaland: Der Kreis schließt sich

Heute inszenieren Fußballer ihre Frisuren-Wechsel selbst, Haaland lud zu seinem Schnitt gleich ein eigenes YouTube-Video hoch. Zu Beckhams Zeiten übernahmen das noch Zeitungen und Fernsehsender, das Ergebnis war dasselbe: Alle redeten über Haare.

Eine bewusste Hommage an Beckham war Haalands Buzz Cut sicher nicht. Und trotzdem steht jeder Fußballer, dessen Frisur heute Schlagzeilen macht, in einer Tradition, die Beckham geprägt hat wie kein Zweiter. Trim it like Beckham, ob gewollt oder nicht.

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Adrian Kühnel
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