Ronaldos Dreiecks-Frisur von 2002 gilt als eine der schlimmsten der Fußballgeschichte. Dahinter steckte ein Plan, der bei einem rätselhaften Zusammenbruch 1998 begann.
Saitama, 26. Juni 2002. Vor dem WM-Halbfinale zwischen Brasilien und der Türkei läuft die brasilianische Hymne, die Kamera wandert die Reihe der Stars entlang und bleibt an Ronaldo hängen. Vom Kopf des Stürmers ist nur noch ein kleines schwarzes Dreieck übrig, der Rest ist frei rasiert.
Millionen vor den Bildschirmen fragen sich in diesem Moment dasselbe: Warum tut sich der beste Angreifer der Welt das an? Die Antwort erzählt viel darüber, wie Ronaldo die Mechanik der Medien verstand.
Ronaldos Zusammenbruch 1998: Der Tag, der alles überschattete
Um die Frisur zu verstehen, muss man vier Jahre zurückgehen. Paris, 12. Juli 1998, der Tag des WM-Finals gegen Frankreich: Stunden vor dem Anpfiff erlitt Ronaldo im Teamhotel einen Krampfanfall. Teamkollege César Sampaio rettete ihm das Leben, Ronaldo war nach eigener Aussage drei, vier Minuten bewusstlos. In der Klinik konnte kein epileptischer Anfall festgestellt werden, die Ursache ist bis heute ungeklärt.
Auf dem ersten Spielberichtsbogen fehlte sein Name, kurz vor Anpfiff stand er doch in der Startelf. Brasilien verlor 0:3, Ronaldo blieb blass, und um jenen Tag ranken sich bis heute Spekulationen, von Stress-Theorien bis zu Verschwörungserzählungen. Belegt ist keine.
Seit jenem Tag war Ronaldos Körper ein Weltthema. Jede Meldung über seinen Zustand wurde zur Schlagzeile, erst recht, als ihn kurz vor dem Halbfinale 2002 Knieprobleme plagten. Für die Medien gab es kaum ein anderes Thema, das nächste Drama schien geschrieben.
WM 2002: Die Frisur als Ablenkungsmanöver
Ronaldo reagierte auf seine Weise: Er rasierte sich den Kopf, bis auf das Dreieck am Haaransatz. Seine Teamkollegen fanden den Schnitt furchtbar und rieten ihm, ihn abzuschneiden, genau die Reaktion, auf die er gehofft hatte.
Der Plan ging auf: „Die Journalisten sahen meinen Haarschnitt und vergaßen die Verletzung“, erzählte Ronaldo später der Sports Illustrated.
Befreit vom Verletzungs-Narrativ traf er im Halbfinale gegen die Türkei mit der Pieke zum 1:0. Im Finale von Yokohama schlug er Deutschland fast im Alleingang: Mit zwei Toren gegen Oliver Kahn schoss Ronaldo Brasilien zum fünften WM-Titel.
Er wurde Torschützenkönig des Turniers und später zum Weltfußballer des Jahres gewählt. Die Wiedergutmachung für Paris war perfekt.
Die Frisur aber lebte weiter. Weltweit ließen sich Kinder das Dreieck rasieren, sehr zum Leidwesen ihrer Eltern. Jahre später entschuldigte sich Ronaldo bei allen Müttern, deren Kinder den gleichen Schnitt bekamen, er selbst nannte die Frisur schrecklich. Geholfen hat es wenig: Eine der hässlichsten Frisuren der WM-Geschichte wurde ihr unvergesslichstes Ablenkungsmanöver.































































































