Verkündet gerade jemand Transfers ästhetischer als Ajax?

AFC Ajax

Ajax Amsterdam hat mit Marc-André ter Stegen und Julian Brandt zwei deutsche Neuzugänge vorgestellt – und die Fotos dazu sehen aus wie ein Editorial. Was hinter der Ästhetik des Klubs steckt.

Ajax Amsterdam hat innerhalb einer Woche Marc-André ter Stegen und Julian Brandt verpflichtet. Über die sportliche Seite der beiden Wechsel wird dieser Tage viel diskutiert.

Mindestens genauso interessant sind die Fotos, mit denen der Klub seine Neuzugänge vorgestellt hat: ruhige, warm ausgeleuchtete Porträts, die an das Editorial eines Modemagazins erinnern.

So inszeniert Ajax die Transfers von ter Stegen und Brandt

Transfer-Verkündungen folgen im Fußball meist demselben Muster: Pressewand, Blitzlicht, Trikot in die Kamera.

Wer dagegen bei Ajax durch die Vorstellungs-Posts der beiden Neuzugänge scrollt, merkt schnell, dass hier nichts dem Zufall überlassen wurde. Die Bilder wirken aufgeräumt und entschleunigt, getragen von warmen Sand- und Ockertönen, vor denen selbst das kräftige Ajax-Rot weich erscheint. Das Licht ist weich gesetzt, und die Motive lassen den Spielern Raum, als Personen sichtbar zu werden.

Beide Serien folgen erkennbar derselben Idee, jede erzählt trotzdem ihre eigene Geschichte.

Die klassischen Vertragsbilder mit Unterschrift und Trikot gibt es daneben weiterhin. Den visuellen Ton der Vorstellungen geben bei Ajax aber die Porträts an, und die könnten in ihrer Anmutung genauso gut in einem Modemagazin erscheinen.

Warum der Ajax-Feed aussieht wie ein Modemagazin

Diese Ästhetik zieht sich durch den gesamten Social-Auftritt des Klubs. Der Feed folgt einer klaren Farbpalette, die Ajax konsequent bespielt, und genau daraus entsteht der hohe Wiedererkennungswert: Viele Beiträge sind als Ajax-Posts zu identifizieren, bevor Wappen oder Absender zu sehen sind.

Dahinter steckt ein größeres Projekt. In seinem 125. Jubiläumsjahr entwickelte Ajax gemeinsam mit dem Amsterdamer Designstudio Smörgåsbord eine neue visuelle Identität, und zwar rund um die Wiedereinführung des historischen Wappens.

Es entstand ein umfassendes Designsystem: eine eigene Schriftfamilie, entwickelt mit der CoType Foundry, eine erweiterte Farbpalette rund um das traditionelle Rot-Weiß, dazu neue Wortmarken, Icons, Broadcast-Grafiken und digitale Templates. Seinen Ansatz nennt das Studio „Total Design“, eine Verbeugung vor dem Totaalvoetbal, mit dem Ajax den Fußball einst revolutionierte.

Der Auftritt zeigt, wie stark Fußball, Kultur und Kunst inzwischen ineinanderfließen, und Ajax hat sich eine Bildsprache gegeben, die dieser Entwicklung gerecht wird. Seinen Traditionen bleibt er dabei treu, das historische Wappen bildet das Zentrum der neuen Identität.

Ter Stegen und Brandt sind bei einem Verein gelandet, der schon aus ihrer Ankunft eine kleine Fotostrecke macht.

Und die Frage, ob ein anderer Verein gerade Transfers ästhetischer verkündet, bleibt für den Rest des Sommers offen. Die Messlatte jedenfalls hängt aktuell in Amsterdam.

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Adrian Kühnel
Gründer und Herausgeber
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